10 Hochzeitsbräuche, die fast jeder kennt aber kaum jemand weiß, warum es sie gibt
Etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes und etwas Blaues. Ein Brautstrauß, der irgendwann über die Schulter fliegt. Ringe, die an den Händen glänzen. Eine Hochzeitstorte, die gemeinsam angeschnitten wird.
Und natürlich: Reis, der nach der Trauung auf ein frisch verheiratetes Paar regnet.
Wir kennen diese Bilder. Wir fotografieren sie. Wir führen sie fort.
Aber warum eigentlich?
Viele Hochzeitsbräuche, die heute romantisch, festlich oder einfach selbstverständlich wirken, haben eine Geschichte, die wesentlich älter ist als unsere moderne Vorstellung von Hochzeit. Manche sollten Glück bringen, andere böse Geister vertreiben, Fruchtbarkeit symbolisieren oder das Brautpaar vor Unglück schützen.
Und bei manchen fragt man sich tatsächlich: Wie ist daraus bitte eine Hochzeitstradition geworden?
Hier kommen zehn Hochzeitsbräuche und ihre überraschenden Geschichten.
1. Warum werfen wir Reis auf das Brautpaar?
Der Klassiker.
Das frisch verheiratete Paar kommt aus der Kirche oder dem Standesamt und die Gäste werfen Reis.
Heute steht der Reis vor allem für Glück, Wohlstand und einen reichen Kindersegen. Dahinter steckt die sehr alte symbolische Verbindung von Getreide und Fruchtbarkeit.
Getreide war über Jahrtausende ein lebenswichtiges Gut. Eine gute Ernte bedeutete Nahrung und damit Wohlstand und Überleben. Das Werfen von Getreide oder ähnlichen Körnern sollte dem Paar deshalb Glück und Fruchtbarkeit mit auf den gemeinsamen Weg geben.
Der heutige Reiswurf ist also eigentlich eine ziemlich alte Glückwunschformel:
Möge euer gemeinsames Leben reich und fruchtbar sein.
Allerdings gibt es einen kleinen Haken: Reis auf dem Boden ist nicht gerade der Traum jeder Location. Deshalb sind heute beispielsweise Blütenblätter, Seifenblasen oder biologisch abbaubares Konfetti beliebte Alternativen.
2. Etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes, etwas Blaues
Dieser Brauch stammt aus dem englischsprachigen Raum und ist bis heute weltweit bekannt.
Das Alte steht traditionell für die Verbindung zur Vergangenheit und zur Familie.
Das Neue symbolisiert den neuen Lebensabschnitt.
Das Geliehene soll Glück bringen, traditionell idealerweise von einer glücklich verheirateten Person.
Und dann wäre da noch das Blaue.
Blau wurde historisch mit Treue, Reinheit und Beständigkeit verbunden. Besonders spannend: Die Farbe Weiß war nicht immer das typische Symbol für die Braut. Blau spielte in verschiedenen europäischen Traditionen lange eine wichtige Rolle.
Heute wird aus dem Brauch oft ein kleines persönliches Detail: ein blaues Band am Brautstrauß, ein Schmuckstück der Großmutter oder ein winziges Detail, das nur die Braut kennt.
Und genau das macht solche Bräuche schön.
Sie müssen nicht groß sein.
Manchmal sind es die kleinen Dinge, die eine Hochzeit persönlich machen.
3. Warum trägt die Braut Weiß?
Eine der bekanntesten Vorstellungen überhaupt:
Braut = weißes Kleid.
Dabei war Weiß keineswegs immer die selbstverständliche Farbe für ein Hochzeitskleid.
Historisch wurden Hochzeitskleider in vielen Farben getragen. Wohlhabende Frauen konnten sich beispielsweise kostbare Stoffe und Farben leisten, die ihren gesellschaftlichen Status zeigten.
Weiße Brautkleider wurden im 19. Jahrhundert zunehmend populär. Einen wichtigen Einfluss hatte die Hochzeit von Queen Victoria und Prinz Albert im Jahr 1840. Victoria trug ein auffälliges weißes Hochzeitskleid, das große Aufmerksamkeit erregte.
Von dort aus entwickelte sich Weiß immer stärker zum Symbol der westlichen Brautmode.
Heute steht das weiße Brautkleid für Romantik und Hochzeit schlechthin.
Dabei ist die Geschichte dahinter viel weniger selbstverständlich, als man denkt.
4. Warum gibt es eigentlich den Brautstrauß?
Der Brautstrauß ist heute vor allem ein wunderschönes Accessoire.
Ursprünglich hatte er allerdings eine ganz andere Bedeutung.
Blumen und Kräuter wurden in verschiedenen Kulturen mit Schutz, Glück und Fruchtbarkeit verbunden. Stark duftende Pflanzen konnten außerdem dazu dienen, unangenehme Gerüche zu überdecken. In Zeiten, in denen Körperpflege und Hygiene natürlich ganz anders funktionierten als heute.
Der Brautstrauß war also nicht einfach nur Dekoration.
Er sollte die Braut begleiten und ihr Glück und Schutz bringen.
Und irgendwann kam eine weitere Tradition hinzu:
Der Brautstraußwurf.
Heute wird der Strauß von der Braut in die Menge der unverheirateten Gäste geworfen. Wer ihn fängt, soll – der Legende nach als Nächstes heiraten.
Ob das wirklich funktioniert?
Das überlassen wir lieber dem Schicksal.
5. Warum tragen wir Eheringe am Finger?
Zwei Menschen geben sich das Ja-Wort.
Dann werden Ringe getauscht.
Ein kleines Schmuckstück, aber mit einer ziemlich großen Symbolik.
Der Ring hat keinen Anfang und kein Ende. Genau deshalb wurde er schon in verschiedenen historischen Kulturen zum Symbol für Ewigkeit und Unendlichkeit.
Die Tradition, Ringe als Zeichen der Verbindung zu tragen, ist sehr alt und wurde über Jahrhunderte immer wieder verändert und weiterentwickelt.
Auch die Frage, an welcher Hand der Ehering getragen wird, ist übrigens kulturell unterschiedlich.
In Deutschland trägt man den Ehering traditionell rechts. In vielen anderen Ländern ist die linke Hand üblich.
Der Ring selbst bleibt jedoch überall das gleiche starke Symbol:
Wir gehören zusammen.
6. Warum schneiden Braut und Bräutigam gemeinsam die Hochzeitstorte an?
Hier geht es nicht nur um Kuchen.
Das gemeinsame Anschneiden der Hochzeitstorte symbolisiert, dass das Paar den neuen Lebensabschnitt gemeinsam beginnt.
Und dann gibt es noch die berühmte Frage:
Wer hat beim Anschneiden die Hand oben?
Daraus wird gerne ein kleines Machtspiel gemacht.
Ob die Person mit der oberen Hand tatsächlich später in der Ehe „das Sagen“ hat, darf allerdings getrost als Hochzeitsmythos betrachtet werden.
Interessanter ist die eigentliche Bedeutung:
Das Paar teilt etwas miteinander.
Und genau dieses gemeinsame Teilen findet sich in vielen Hochzeitsritualen wieder.
7. Warum trägt der Bräutigam die Braut über die Schwelle?
Dieser Brauch gehört zu den romantischsten und gleichzeitig zu den kuriosesten.
Der Bräutigam trägt seine Braut über die Schwelle.
Heute wirkt das wie eine liebevolle Geste.
Historisch werden damit jedoch unterschiedliche Vorstellungen verbunden. Eine verbreitete Erklärung führt den Brauch auf alte Vorstellungen über die Schwelle des neuen gemeinsamen Zuhauses und den Schutz vor Unglück zurück.
Die Braut sollte sicher in ihr neues Zuhause gebracht werden.
Romantik trifft Aberglaube.
Und vermutlich würde heute kaum noch jemand ernsthaft behaupten, dass man seine Ehe nur dann glücklich beginnt, wenn man getragen wird.
Aber schön sieht es auf Fotos trotzdem aus.
8. Warum gibt es den Polterabend?
„Scherben bringen Glück.“
Dieser Satz gehört wohl zu den bekanntesten deutschen Hochzeitstraditionen.
Beim Polterabend wird Porzellan zerschlagen und das Brautpaar darf anschließend aufräumen.
Der Hintergrund liegt in dem alten Glauben, dass das Zerbrechen von Keramik Glück bringen und böse Einflüsse vertreiben könne.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zum Glas:
Glas zu zerbrechen gilt beim Polterabend traditionell nicht als Glücksbringer.
Denn aus dem Polterabend ist schließlich kein allgemeiner „Wir zerstören einfach alles“-Abend geworden.
Zum Glück.
9. Warum wird die Braut entführt?
Heute ist die Brautentführung vor allem ein Hochzeitsspiel: Freunde „entführen“ die Braut, der Bräutigam muss sie suchen und sie anschließend mit Getränken oder einer kleinen Aufgabe „auslösen“.
Der Ursprung ist allerdings wesentlich ernster. Die Tradition geht auf alte Vorstellungen des Brautraubs zurück. In verschiedenen Kulturen wurde eine Frau tatsächlich aus ihrer Familie oder Gemeinschaft „geraubt“, um eine Ehe zu erzwingen oder familiäre Interessen durchzusetzen. Auch im europäischen Mittelalter gibt es Überlieferungen solcher Bräuche.
Mit der Zeit wurde aus dem tatsächlichen Brautraub ein spielerisches Ritual. Die heutige Brautentführung hat deshalb mit der ursprünglichen Bedeutung kaum noch etwas gemeinsam.
Ob man sie auf der eigenen Hochzeit möchte, ist Geschmackssache. Denn so lustig das Spiel sein kann: Die Braut ist plötzlich weg, der Zeitplan gerät durcheinander und der Bräutigam darf sich auf die Suche machen.
Aus einem ernsten Brauch wurde also ein Hochzeitsspiel und heute darf jedes Brautpaar selbst entscheiden, ob es diese Tradition weiterführt.
10. Warum gibt es eigentlich eine Hochzeitstorte mit mehreren Etagen?
Drei Etagen, fünf Etagen, manchmal sogar noch mehr: Eine mehrstöckige Hochzeitstorte gehört für viele bis heute zu einer großen Hochzeit dazu.
Aber warum eigentlich?
Die Antwort hat weniger mit dem Kuchen selbst zu tun als mit Repräsentation und Status.
Je größer und aufwendiger eine Torte war, desto stärker konnte sie zeigen, dass sich eine Familie eine solche Feier leisten konnte. Besonders im 19. Jahrhundert wurden Hochzeitstorten zunehmend zu aufwendig dekorierten Schaustücken.
Ein berühmtes Beispiel ist die Hochzeit von Queen Victoria und Prince Albert im Jahr 1840. Die Hochzeitstorte war riesig, aufwendig verziert und wurde zum viel beachteten Bestandteil der Feier. Solche prachtvollen Torten prägten das Bild der Hochzeitstorte als luxuriöses Symbol und beeinflussten die Hochzeitskultur weit über den britischen Hof hinaus.
Die einzelnen Etagen hatten dabei nicht von Anfang an eine festgelegte symbolische Bedeutung. Vielmehr entwickelte sich die Höhe der Torte aus dem Wunsch nach einem beeindruckenden Mittelpunkt der Hochzeitsfeier.
Und dann kam noch etwas Praktisches hinzu: Eine große Hochzeit bedeutete viele Gäste und eine mehrstöckige Torte konnte entsprechend viele Menschen versorgen.
Aus dem einstigen Zeichen von Wohlstand wurde schließlich ein fester Bestandteil moderner Hochzeiten.
Heute muss eine Hochzeitstorte allerdings längst nicht mehr riesig sein. Zwei Menschen, zwanzig Gäste und eine kleine einstöckige Torte können genauso gut eine Hochzeit feiern wie zweihundert Gäste mit einer fünfstöckigen Torte.
Vielleicht ist genau das die schönste Entwicklung:
Die Hochzeitstorte muss heute niemandem mehr etwas beweisen. Sie darf einfach schmecken, aussehen und sich anfühlen wie das Brautpaar.
Tradition ist kein Pflichtprogramm
Vielleicht ist genau das das Schönste an Hochzeitsbräuchen:
Man muss sie nicht abschaffen. Man muss sie nur verstehen.
Denn wer weiß, woher eine Tradition kommt, kann selbst entscheiden, welche Bedeutung sie für die eigene Hochzeit haben soll.
Vielleicht möchtest du Reis werfen.
Vielleicht lieber Blütenblätter.
Vielleicht möchtest du etwas Blaues tragen, weil deine Großmutter dir ein altes Schmuckstück schenkt.
Vielleicht möchtest du überhaupt keinen Brautstrauß werfen.
Und vielleicht möchtest du eine Hochzeitstorte, die mit keinem traditionellen Hochzeitsbrauch mehr etwas zu tun hat.
Alles ist möglich.
Denn eine Hochzeit muss nicht möglichst viele Traditionen enthalten.
Sie sollte vor allem zu den Menschen passen, die sie feiern.
Und genau darin liegt für mich als Hochzeitsplanerin der Unterschied zwischen einer schönen Hochzeit und einer Hochzeit, die sich wirklich nach dem Brautpaar anfühlt.
Traditionen dürfen bleiben.
Aber sie dürfen sich verändern.
Welche Tradition passt zu euch?
Hochzeitsbräuche können wunderschön sein, vor allem dann, wenn sie eine persönliche Bedeutung bekommen. Ihr müsst dabei nicht jede Tradition übernehmen. Entscheidend ist, dass eure Hochzeit zu euch und eurer Geschichte passt.
Ihr möchtet eure Hochzeit persönlich, stilvoll und ganz ohne unnötigen Stress planen? Ich begleite euch mit meiner Full-Service-Hochzeitsplanung von der ersten Idee bis zum letzten Gast.
Lasst uns eure Hochzeit planen. Mit Traditionen, die zu euch passen, und ganz viel Raum für eure eigene Geschichte.
